NTB-Blog

Gastinterview: «Die Berufslehre entscheidet über Sein oder Nichtsein des Werkplatzes Schweiz.»

Jens Breu ist CEO der SFS und führt das international tätige Unternehmen seit Januar 2016. Nach seiner Berufslehre als Polymechaniker stiess er 1995 als Projektleiter für Neuprodukte zu SFS. Berufsbegleitend absolvierte Breu die Ausbildung zum Ingenieur Maschinenbau HTL. Von 2000 bis 2008 war er für SFS in den USA tätig. Parallel studierte er an der Cleveland State University und erwarb einen MBA-Abschluss. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz wurde er Mitglied der Geschäftsleitung der SFS intec. Per 1. Januar 2014 war er zum COO der SFS Group ernannt und als Nachfolger von Heinrich Spoerry als CEO positioniert worden.

Herr Breu, der Start in Ihre Berufskarriere begann mit einer Lehre als Polymechaniker. Wie stark profitieren Sie heute noch von Ihrem praxisorientierten Bildungsweg?

Mir war schon ziemlich früh klar, dass ich nicht an die Kantonsschule, sondern direkt in die Arbeitswelt einsteigen möchte. Ich wollte eine Tätigkeit ausüben, bei der die Freude stets im Vordergrund steht. Und so ist es bis heute. Für mich ist die Berufslehre unbezahlbar, denn die praktische Basiserfahrung kann man nicht nachholen. Die Arbeitsmarkterfahrung als junger Erwachsener war für mich wichtig und hat mich geprägt. Ich bin sicher, dass sich meine Fähigkeiten ohne diese Erfahrung ganz anders entwickelt hätten. Die Leistungserwartung, verbunden mit dem Kostendruck, und die Zusammenarbeit mit Mitarbeitenden verschiedensten Alters, die alle auf dasselbe Ziel hinarbeiten: ein innovatives Produkt auf den Markt zu bringen. Das fasziniert mich. Von diesen Erfahrungen konnte ich später immer wieder zehren.

Worin sehen Sie die Vorteile des dualen Bildungswegs in der Schweiz?

Die Berufslehre entscheidet über Sein oder Nichtsein des Werkplatzes Schweiz. Die praxisnahe Ausbildung im Betrieb in Verbindung mit der schulischen Bildung verspricht eine hervorragende Basis für die Jugendlichen, von der sie enorm profitieren können. Denn die Arbeitsmarkterfahrung, die sie während der Lehre sammeln, erhöht später die Chancen auf dem Arbeitsmarkt enorm. Aus diesen Gründen engagiert sich auch die SFS Group stark in diesem Bereich. Weltweit sollen fünf bis sieben Prozent der Mitarbeitenden talentierte, junge Lernende sein. Dies veranlasst die SFS Group zur verstärkten, internationalen Förderung der dualen Ausbildung.

Was empfehlen Sie jungen Technikbegeisterten – einen Karriereweg wie der Ihre oder einen anderen Bildungsweg?

Ich empfehle ihnen auf jeden Fall, eine Berufsbildung zu absolvieren. Denn nur so können sie Praxis und Theorie miteinander verbinden und so die Basis für ihren weiteren, erfolgreichen Berufsweg legen.

Sie haben einige Zeit in den USA gearbeitet und auch einen MBA-Abschluss absolviert. Welche Stärken hat die Schweiz gegenüber den USA im Hinblick auf die Personalrekrutierung?

Wie bereits erwähnt, engagiert sich SFS auch international stark für die Berufsbildung. Wir möchten zusammen mit lokalen Schulen ähnliche Strukturen aufbauen wie in der Schweiz. Damit können wir Fachkräfte intern ausbilden und ihnen eine attraktive Arbeitsstelle anbieten. Mitarbeitende mit einer soliden Berufsausbildung sind sehr schwierig zu rekrutieren. Auch Stellen im Produktionsbetrieb sind nur mit grossen Anstrengungen zu besetzen – da haben wir es auch dank der Berufsbildung in der Schweiz wesentlich einfacher.

NTB und SFS pflegen im Rahmen des «Praktikumsjahres» eine enge Zusammenarbeit. Wie wichtig ist ein solches Projekt für Ihr Unternehmen?

Diese enge Zusammenarbeit mit der NTB ist sehr wichtig für uns. Jene, die sich für eine Matura entschieden haben, erhalten während des Praktikumsjahrs Einblicke in einen Industriebetrieb und können so die nötige Praxis sammeln. Wir pflegen intensiven Kontakt zu ehemaligen Praktikanten und Lehrabgängern. Denn es ist unser Ziel, von den vakanten Führungspositionen mehr als 70 % mit geeigneten, internen Mitarbeitenden zu besetzen.


Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem Magazin NTB FOLIO. Sie können das Magazin online lesen und auch kostenlos abonnieren.