NTB-Blog

Gastinterview: «Der Wandel als Chance»

Roland Bruderer arbeitet seit über 30 Jahren in der Berufsausbildung Elektronik bei Wild Heerbrugg, Leica Geosystems AG und bei libs, dem führenden Ausbildungsunternehmen der schweizerischen Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie. Im Gespräch erzählt er unter anderem, was Elektronikerinnen und Elektroniker in Zukunft erwartet.

Roland Bruderer, Sie sind Lehrlingsbetreuer bei libs und dort zuständig für junge Menschen, die eine Lehre zur Elektronikerin oder zum Elektroniker absolvieren. Wie beurteilen Sie deren Zukunftsaussichten?

Elektroniker/innen sind gesuchte Fachkräfte. Ich weiss von keinem meiner doch schon über 400 ehemaligen Lernenden von einer längeren Arbeitslosigkeit. Allerdings hat sich der Beruf ElektronikerIn zu einem typischen Weiterbildungsberuf entwickelt. Berufsleute ohne Weiterbildung finden tendenziell nur noch im fertigungsnahen Umfeld ihre Jobs. Leider werden diese zusehends in Billiglohnländer verlagert.

Welche besonderen Fähigkeiten und Talente muss eine angehende Elektronikerin oder ein Elektroniker mitbringen?

Angehende Berufsleute bringen ein grosses Interesse an technischen Zusammenhängen mit. Dazu gehören für mich eine gute Vorstellungskraft und die Fähigkeit zum logisch-analytischen Denken, Freude am Experimentieren, Kreativität, mathematische Grundfertigkeiten und echte Medienkompetenz. Um diese Talente und Kenntnisse zu fördern, wäre es wünschenswert, dass die junge Generation sich vermehrt mit Basteln, Experimentieren oder sogar Programmieren auseinandersetzt. Leider beschäftigen sich die meisten Kinder und Jugendlichen nur im Rahmen von Smartphone und Surfen mit der technologischen Welt. libs hat vor rund zehn Jahren eine MINT-Initiative namens liki geschaffen. liki soll mithilfe von technischen und physikalischen Experimenten und mit Programmier-Grundlagen Kinder und Jugendliche in der Grund- oder Oberstufe motivieren, sich mit technischen Dingen tiefer auseinanderzusetzen. Zum Glück sind im Lehrplan 21 einige der erfolgskritischen Kompetenzen für MINT-Berufe abgebildet!

Was kann die NTB den Lernenden Ihrer Ansicht nach bieten?

Die NTB bietet den zukünftigen Ingenieurinnen und Ingenieuren durch die Nähe zur Wirtschaft viel Praxisbezug und Aktualität. Zahlreiche ehemalige Lernende haben ein Studium an der NTB absolviert und wählten den Weg zurück in die Industrie. In meinem Umfeld (Innoparc Heerbrugg) sind heute viele Ehemalige in Führungspositionen mit der Entwicklung neuer Hard- und Softwareprodukte betraut. Unsere Industrie ist nur dank der hohen Innovationsleistung von Ingenieurinnen und Ingenieuren konkurrenzfähig.

Wie beurteilen Sie den ganzheitlichen Ansatz im Systemtechnik-Studium der NTB?

Das Systemtechnik-Studium bereitet die Studierenden praxisnah auf zukünftige Aufgaben in der Entwicklung von technischen Geräten und Systemen vor. Die Befähigung, sich rasch in neue Anwendungsgebiete einarbeiten zu können, ist eine zentrale Kompetenz für den erfolgreichen Einstieg in lokale Industriebetriebe. Dies wird im Studium in vielschichtiger Weise geboten.

Was antworten Sie, wenn Sie von Ihren Lehrlingen danach gefragt werden, wie die Berufslandschaft im Bereich Elektronik in zehn oder zwanzig Jahren aussieht?

Der Beruf des Elektronikers wird sich, wie auch andere Berufe, stark wandeln. In den Anfängen der Elektronik wurden durch die Entwicklung der Computer neue Möglichkeiten geschaffen. Heute stehen wir wiederum vor einem entscheidenden Wandel mit dem Durchbruch in der künstlichen Intelligenz. Entscheidend wird sein, wie wir uns persönlich diesem Umbruch stellen. Wenn wir die Herausforderung annehmen und die Entwicklungen als Chance ansehen, öffnen sich neue Geschäftszweige und Ideen. Das bedeutet: Nur wer die Grundlagen der Elektronik versteht, wird auch zukünftig in dieser integrierten, digitalen und vernetzten Elektronik den Überblick behalten!

 


Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem Magazin NTB FOLIO. Sie können das Magazin online lesen und auch kostenlos abonnieren.